Mi.. Feb. 18th, 2026

Erneuerte Orgeln, strahlende Mosaike und Monteverdis Klangkunst lassen die Staatskirche San Marco zum Höhepunkt venezianischer Musik und Baukunst erblühen.

BildAm 8. November 1626 fand in Venedig die feierliche Wiederweihe der Markuskirche statt. San Marco war die Staatskirche der Seerepublik Venedig und im Jahre 1094 nach ihrem Neubau – die alte 832 geweihte Vorgängerkirche war stark beschädigt gewesen – geweiht worden. Im Laufe des Mittelalters und bis in die frühe Neuzeit war die Kirche stetig ausgeschmückt und bereichert worden: die Kuppeln wurden aufgestockt, Vorhallen, Mosaike und reiche Dekorationen kamen hinzu. Die notwendig gewordenen umfangreichen Restaurierungen an Gewölben, Wänden und an den Kuppelinnenstein führten zu einer fast vollständigen Erneuerung des Innenraums. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert wurden ältere Mosaikbilder überarbeitet oder ersetzt, um sie zeitgemäßer erscheinen zu lassen. So wurden z.B. die Mosaiken an der Südfassade wie auch an einzelnen Portalbögen durch frühneuzeitliche Entwürfe neu gesetzt, was die ikonographische Wirkung der Basilika auch für zeitgenössische Besucher verständlicher machte, da nun antike bzw. mittelalterliche Szenen in modernen Stilformen interpretiert wurden. Das alles machte eine neue Weihe der Kirche erforderlich.

Claudio Monteverdi war dazumal seit 1613 Chorkapellmeister der Markuskirche und hatte damit eine der prestigeträchtigsten Musikstellen in Europa inne. Mit seiner musikalisch gestalteten Einweihungs-Zeremonie erreichte die für Europa einzigartige Verbindung von Architektur, Musik und politischem Selbstverständnis in San Marco ihren Höhenpunkt. Monteverdi prägte in Venedig einen Wendepunkt der Musik weg von der Renaissance hin zum Barock und machte Venedig damit zum Zentrum der modernen Musik in Europa. Seine Musik war ausdrucksstärker und emotionaler, sie sollte nicht nur schön klingen, sondern den religiösen Text fühlbar machen.
Wichtig dafür waren die Doppelorgel- wie auch die Mehrchörigkeit, die sich in Venedig seit der ersten Hälfte des 16. Jh. entwickelt hatten: in den beiden im Chorbereich sich gegenüberliegenden Orgelemporen befinden sich je eine Orgel und ein Chor, die gezielt räumlich getrennt eingesetzt werden, so dass eine musikalische Bewegung im Raum entsteht. Auch die Orgeln waren erneuert worden, so dass der Klang der Musik besonders rein war.

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Dieser Effekt wird zudem dadurch verstärkt, dass die Markuskirche im Gegensatz zu zeitgleich entstandenen romanischen Kirchen des 11. Jh. keine Basilika mit Tonnengewölbe, sondern eine byzantinisch geprägte Kreuzkuppelkirche mit fünf großen Kuppeln ist, die den Raum nicht nach vorne, sondern nach oben und zur Mitte hin öffnen und damit eine ganz besondere Akustik erzeugen: Der Schall wird von den Kuppeln gesammelt, reflektiert und gleichmäßig auf den Raum verteilt. Durch die Kuppel bekam die Musik einen regelrecht räumlichen Effekt und verstärkte den Eindruck der Fühlbarmachung des Klanges.

Im Zuge der Renovierung waren ferner die Mosaikflächen gereinigt worden, deren harte Oberflächen den Klang in den Raum tragen, anstatt ihn zu absorbieren. Die Schallreflexion erzeugt einen langen, reichen Hall, der besonders für Orgel- und Chormusik geeignet ist. Die Mosaike der Markuskirche sind in unregelmäßigen Winkeln angeordnet, was den Schall diffus reflektiert und ein gleichmäßiges harmonisches Nachklingen erzeugt.

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Die Markuskirche war die Staatskirche der Seerepublik Venedig – nicht die Kathedrale, das war die Peterskirche in Castello. In der (Kuppel-) Architektur und mit der (Orgel-) Musik – beides vom Papst nicht geschätzt – machte Venedig seine Selbstständigkeit Rom gegenüber deutlich: dem Willen des Kirchenoberhauptes in Rom hat sich die Serenissima in ihrer jahrhundertelangen Geschichte nicht gebeugt – ganz im Gegenteil.

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