Wirtschaft

120. Verbandstag des GVB / Bayerns Genossenschaften auf dem Weg in die Netzwerkökonomie (FOTO)

120. Verbandstag des GVB / Bayerns Genossenschaften auf dem Weg in die Netzwerkökonomie (FOTO), Unterschleißheim (ots) –

Familientreffen der bayerischen Genossenschaften: Mehr als 1.100
Gäste aus Politik, Wirtschaft und der Genossenschaftsorganisation
nahmen in Unterschleißheim bei München am 120. Verbandstag des
Genossenschaftsverbands Bayern (GVB) teil. Der Austausch fand unter
dem Motto “Geschäftsmodell Genossenschaft: nah – innovativ – digital”
statt. Verbandspräsident Jürgen Gros formulierte es bei einer
Podiumsrunde so: “Im Kern sprechen wir heute darüber, wie das
digitale Update des Genossenschaftsmodells aussieht.”

Für diese Transformation stehen Bayerns Genossenschaften auf einer
soliden Grundlage, wie GVB-Verbandsratsvorsitzender Wolfgang
Altmüller zum Auftakt betonte. Die Unternehmen verfügten nicht nur
über hohe Innovationskraft, die sie in den vergangenen Jahrzehnten
immer wieder bewiesen haben. “Sie können auch mit einem Versprechen
gegenüber den Internetgiganten punkten. Es ist das Versprechen, den
Kunden und das Mitglied auf einer menschlichen Ebene zu verstehen”,
so Altmüller.

Internetkonzerne: Wambach fordert schlagkräftige
Missbrauchsaufsicht

“Die digitale Marktwirtschaft stellt die bisherigen Strukturen auf
den Kopf”, machte Gastredner Achim Wambach deutlich. Der Präsident
des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW hat sich intensiv
mit der Frage auseinandergesetzt, welche Veränderungen die
Digitalisierung bewirken kann. In seinem Vortrag zeigte er auf, wie
Daten zunehmend bedeutender werden als Preise, wie Monopolbildung den
Wettbewerb behindert und wie die “Sharing Economy” mit dem
Eigentumsgedanken konkurriert. Dennoch hat nach Ansicht von Wambach
auch die Internetwirtschaft das Potenzial, Wohlstand zu schaffen. Das
erfordere jedoch staatliches Eingreifen, um
Wettbewerbseinschränkungen zu verhindern, insbesondere durch große
Internetkonzerne wie Facebook oder Amazon.

“Die alten Leitplanken, mit denen die Soziale Marktwirtschaft die
wohlstandsmehrenden Kräfte schützte, passen heute nicht mehr. Sie
müssen erneuert werden”, forderte der renommierte Ökonom, der auch
der Monopolkommission vorsitzt. Er sprach sich für eine
schlagkräftige Missbrauchsaufsicht aus. Wambach: “Wenn Wettbewerbs-
und Sozialpolitik umdenken und ihr Instrumentarium schärfen, kann es
auch morgen produktiven Wettbewerb und auskömmliche Arbeit für alle
geben.”

Mitgliedernetzwerk als Basis zum Aufbau von Plattformen

Im Anschluss nahm der Wirtschaftsforscher an der von Gros
moderierten Diskussion teil. Gemeinsam mit Sandra Bindler,
Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank eG, Philipp Depiereux, CEO der
etventure GmbH, und Eckhard Schwarzer, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender der Datev, diskutierten sie über die Chancen
des genossenschaftlichen Geschäftsmodells in der digitalen Welt.

“Wir haben ein Riesen-Netzwerk”, stellte Bankerin Bindler fest.
Dabei verwies sie auf die 2,9 Millionen Mitglieder der bayerischen
Genossenschaften. Dieses könnten die Unternehmen nutzen, um eigene
Online-Plattformen aufzubauen, sagte Datev-Vorstand Schwarzer. Es
reiche aber nicht, sich auf dem derzeitigen Erfolg auszuruhen. Die
Unternehmen müssten sich darüber Gedanken machen, ob ihre
Geschäftsmodelle perspektivisch von Wettbewerbern unterlaufen werden
könnten. “Wir müssen uns ständig hinterfragen”, mahnte Schwarzer.
Dazu gehöre es auch, in Unternehmen Silodenken durch eine stärkere
Kultur der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit abzulösen.

Digital-Berater Depiereux empfahl den Genossenschaften, bei der
Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle die Nutzer in den
Mittelpunkt zu stellen. “Fragen Sie Ihre Kunden, was sie wollen und
brauchen”, sagte er. Auf dieser Basis sollten die Unternehmen neue
Leistungen entwickeln und testen, bevor sie auf den Markt gebracht
werden. So ließen sich erfolgversprechende Produktideen ermitteln.

Verbandstag 2020 findet auf dem Nockherberg statt

Der Verbandstag des GVB ist ein Netzwerktreffen der
mittelständischen bayerischen Wirtschaft und findet jedes Jahr statt.
Neben Vertretern der 1.242 Mitgliedsgenossenschaften nehmen Verbund-
und Kooperationspartner, politische Entscheider und Journalisten an
dem Austausch teil. Der nächste Verbandstag am 16. Juli 2020 wird
erstmals auf dem Nockherberg in München ausgerichtet.

Der Genossenschaftsverband Bayern e.V. (GVB) vertritt seit mehr
als 125 Jahren die Interessen bayerischer Genossenschaften. Zu seinen
1.242 Mitgliedern zählen 236 Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie
mehr als 1.000 Unternehmen aus Branchen wie Landwirtschaft, Energie,
Handel, Handwerk und Dienstleistungen. Sie bilden mit rund 50.000
Beschäftigten und 2,9 Millionen Anteilseignern eine der größten
mittelständischen Wirtschaftsorganisationen im Freistaat. (Stand:
31.12.2018)

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